Read the first chapter
The whole of chapter one, free. About 14 min. Turn the pages with the arrows, your keyboard, or a swipe.
Chapter 1
Der Wiener Ruf nach Frankreich
Emil Shappo zog den Brief noch einmal näher an die Lampe, als müsse das Papier selbst ihm antworten. Die Einladung nach Paris war in einer Handschrift verfasst, die zwischen akademischem Stolz und hastigem Zittern schwankte; sie hatte diese Art von Druck, der nicht durchs Auge ging, sondern durch etwas Tieferes. Draußen stand Wien in der frostigen Dämmerung, und im Zimmer darüber, wo die Nachbarn seit Tagen heimlich stritten, klang ein Stuhlbein über den Boden wie ein dünnes Messer. Emil spürte, wie der Ton ihm in den Nacken stieg, und er zwang sich, die Zeilen zu lesen, bis sie seinen Blick nicht mehr veränderten.
Er legte den Brief auf die Tischkante, damit er nicht so sehr nachgab, wenn seine Finger ihn streiften. Dann prüfte er die Details: Absender, Datum, Ort der Ankunft - und dieser eine Satz, der sich nicht wie ein Satz anfühlte, sondern wie eine Anweisung an seinen Körper. Meisterpsychiater an der Universität in Frankreich, stand dort, und darunter ein Datum, das zu nah lag. Emil dachte an das Gesicht seiner Freundin in Wien, an den Geruch von Kaffee, den sie am Abend immer mitbrachte, und an das Versprechen, das er ihr gegeben hatte, halb aus Überzeugung, halb aus Trotz gegen die Zeit. Heiraten, sagte er sich, bald. Und doch: Das Papier zog an ihm, als wäre es nicht geschrieben, sondern aus einer anderen Richtung gefaltet.
Seine Prüfung wurde unterbrochen, als der Traum wieder anklopfte - nicht wie Erinnerung, sondern wie eine zweite Wirklichkeit, die sich zwischen die Dinge schob. Vor seinem inneren Auge stand plötzlich ein Bahnhofsvorplatz, nass und glänzend, als hätte jemand die Luft mit Tinte eingerieben. Er sah die Wiener Bahnhofsvorhalle, sah Menschen mit Mützen, deren Nähte im Licht zu flimmern schienen. Und er hörte eine Stimme, die in keiner Sprache zu ihm sprach, sondern in einer Tonhöhe, die seinen Gedanken bestimmte. Emil blinzelte, und im selben Moment fühlte er, wie sein Schreibtisch kalt wurde, obwohl die Lampe brannte. Er rieb sich über das Handgelenk, als könnte er dort den Traum abstreifen, doch die Haut blieb unbeteiligt.
„Emil“, hatte seine Freundin am Morgen gesagt, als er sich die Jacke über die Schultern legte, „Paris klingt immer nach Abenteuer. Aber du… du bist kein Abenteurer.“ Sie hatte es nicht böse gemeint; sie hatte es wie eine Behauptung ausgesprochen, die sie gegen die Welt setzen wollte. Emil hatte genickt und war dabei nicht ganz sicher gewesen, ob er ihr Gesicht wirklich gesehen hatte oder nur die Vorstellung davon. Jetzt, in seinem Zimmer, spürte er die Lücke zwischen dem Versprechen und dem Brief, und die Lücke füllte sich mit diesem Bahnhofsvorplatz.
Er stand auf. Der Stuhl knarrte, und das Geräusch passte so genau in den Traum, dass Emil kurz die Orientierung verlor. Als er die Einladung in die Tasche steckte, fühlte sich das Papier schwerer an, als wäre es mit etwas getränkt: mit Eisen, mit kalter Kohle, mit dem Schimmer von nassem Stein. Er nahm seinen Mantel, schob die Hand gegen die Innentasche, in der das Ticket später liegen würde, und ging hinaus in Wien, als müsse er den Traum nicht bekämpfen, sondern ihm folgen.
*
In der Bahnhofsvorhalle war das Licht anders als in Erinnerung. Es kam nicht nur von oben, es schien aus den Gesichtern zu sickern, aus den Schatten der Säulen, aus der Art, wie Menschen ihre Schritte setzten, als wäre der Boden eine Frage, die man beantworten musste. Emil trat ein und spürte sofort diese feuchte Kälte an den Knöcheln. Der Stein war glatt vom Wetter, und sein Schuhsohlengefühl wurde zu einem Rhythmus, der ihm nicht gehörte. Überall Stimmen, das Klirren von Gepäckketten, das kurze Rufen eines Schaffners, das sich in der hohen Decke verfing wie ein Faden, der nicht weiter will.
Er suchte nach einem Schalter, nach Ordnung, nach dem bekannten Muster: Fahrkarte kaufen, Richtung merken, warten. Doch jedes Mal, wenn sein Blick sich auf eine Tür, eine Uhr, ein Schild fixierte, tauchte der Traum dazwischen auf - nicht als Bild, sondern als Entscheidung, die in seinem Kopf bereits getroffen war. Ein Durchgang zwischen zwei Säulen, dachte er, und er ging dorthin, obwohl er in Wien noch nie so gelaufen war. Seine Finger fanden die Innentasche, und als er den Brief berührte, fühlte er eine zweite Schrift in seiner Hand - als wäre das Papier nicht nur Einladung, sondern auch Hypnose, versteckt in der Struktur der Buchstaben.
„Herr Doktor?“ Der Kassierer blickte Emil an, als würde er ihn aus einer früheren Zeit kennen. Der Mann war zu jung für diesen Blick; das machte Emil misstrauisch. „Wohin?“
Emil hörte sich selbst antworten, ohne sicher zu sein, ob er das Wort gewählt hatte. „Paris. Sofort.“ Er bemerkte, wie seine Stimme zu fest war, zu glatt, als habe jemand anderes sie durch ihn gesprochen. Der Kassierer blätterte in einem Register, dessen Seiten sich trocken und knisternd anfühlten, obwohl Emil sie nur sah. „Sie haben eine Verbindung, aber… heute ist es knapp.“ Eine Pause, in der Emil den Geruch von Tabak und nassem Stoff wahrnahm. „Zug fährt in einer halben Stunde.“
Emil nickte. In seinem Inneren schob sich der Traum noch einen Schritt weiter: Er sah sich selbst, wie er auf einer Bank saß, und jemand - vielleicht ein Professor, vielleicht nur eine Gestalt aus Licht - stand vor ihm und zählte langsam die Sekunden zwischen den Atemzügen. Aber Emil konnte nicht still sitzen. Er musste handeln, bevor der Traum ihn ganz verschluckte.
„Haben Sie…“ Emil begann, und es war, als hätte er den Anfang eines Satzes im Mund, den er nicht beenden wollte. Er zog das französische Hypnose-Skript hervor, das er - das wusste er inzwischen, als wäre es immer in seiner Tasche gewesen - zwischen den Seiten des Briefes gefunden hatte. Es war ein schmaler Foliant, in grauem Papier geheftet, und sobald er es berührte, fühlte er Wärme an den Fingerspitzen. Der Kassierer starrte nicht darauf; er starrte auf Emil, als sei das Skript nur ein Vorwand für etwas anderes.
„Das gehört mir nicht“, sagte Emil leise, mehr zu sich als zu dem Mann. Er merkte, wie die Worte zu langsam waren, als würde der Traum schneller denken als er. Der Kassierer verzog das Gesicht. „Wie bitte?“
Emil schluckte. „Nichts. Ich brauche nur das Ticket.“ Er schob das Skript zurück, als müsse er es vor den Blicken schützen.
Der Kassierer gab ihm das Ticket mit einer Hand, die kurz zitterte. Das Papier knisterte, als hätte es einen eigenen Puls. Emil griff zu und spürte, dass auf der Rückseite eine zweite Zeile stand - nicht gedruckt, sondern eingeritzt, kaum sichtbar. Er hielt das Ticket gegen das Licht. Da war eine Adresse, und sie passte nicht zu Paris, wie Emil es kannte. Die Schrift war winzig, aber vertraut: als hätte sein Traum sie in der Nacht für ihn vorbereitet.
Er wollte fragen, wer sie geschrieben hatte. Doch der Traum ließ keine Fragen zu. Er schob Emil weiter, durch die Halle, vorbei an Menschen, die für einen Augenblick wie Statisten wirkten, die nicht wussten, dass sie eine Bühne verließen. Emil hörte Schritte hinter sich, drehte sich - und sah niemanden. Nur den Klang von Schritten, die sich entfernten, obwohl er keinen Menschen ausmachen konnte.
„Dr. Shappo?“ Er hörte seinen eigenen Namen, und zum ersten Mal klang er nicht wie ein Ruf, sondern wie eine Bestätigung. Eine Stimme, die zu nah war, ohne dass ein Körper dahinter stand. Emil erstarrte.
„Wer sind Sie?“ Emil zwang sich, die Frage auszusprechen, als könne er sie mit Worten fesseln.
Ein Mann trat aus dem Gedränge - oder Emil glaubte, er trete aus dem Gedränge. Das Gesicht war scharf genug, um real zu wirken, und doch zu blass, um wirklich zu sein. „Sie kennen mich nicht“, sagte der Mann. „Aber Sie kennen das, was Sie lesen.“
Emil hielt das Ticket fest, bis die Ränder in seine Handfläche schnitten. „Ich lese nichts. Ich…“ Er wollte sagen: Ich bin skeptisch. Ich bin vernünftig. Doch der Traum hatte längst die Vernunft an einen anderen Ort gestellt.
Der Mann hob eine Hand, ohne Emil zu berühren. „Das Skript. Die Zeilen. Die Art, wie Sie atmen, wenn Sie glauben, es sei nur Papier.“ Er sah Emil an, als wäre der Blick eine Sprechstimme. „In Frankreich wartet man nicht. Man folgt.“
„Warten ist alles, was ich kann“, sagte Emil. Es war eine trotzig klingende Wahrheit, aber sie fühlte sich falsch an, wie eine Maske, die man zu spät bemerkt.
Der Mann lächelte nicht. „Dann folgen Sie. Der Zug ist nicht Ihr Ziel. Er ist nur die Tür.“
Emil hätte ihm widersprechen sollen. Doch da war diese zweite Wirklichkeit in seinem Kopf, die sich wie ein Scharnier bewegte. Er sah wieder die Bahnhofsvorhalle, aber diesmal aus der Perspektive eines anderen Blicks: nicht von ihm aus, sondern von irgendwo in der Decke. Menschen liefen, ohne dass er sie wirklich sah. Und in der Mitte stand er selbst, die Einladung in der Hand, als wäre er derjenige, der jemanden ruft.
Er atmete flach ein. Das Geräusch seiner Lunge klang zu laut, zu mechanisch. Der Kassierer rief den Abfahrtszug auf - ein metallischer Laut, der sich auf Emil legte wie eine Hand. Emil merkte, dass er nicht mehr entscheiden musste, ob er die Einladung wahrnahm. Er musste nur noch entscheiden, ob er in seinem eigenen Körper bleiben wollte.
„Sagen Sie mir wenigstens - “ Emil begann erneut, aber die Worte wurden abgeschnitten, als wäre ein Tuch über seinen Mund gelegt worden. Er spürte den Stoff nicht, aber er spürte die Stummheit.
Der Mann wich einen Schritt zurück. „Sie haben eine Freundin in Wien“, sagte er, ohne dass Emil gefragt hatte. „Sie werden sie heiraten. Vielleicht. Aber erst müssen Sie sehen, was Sie in sich tragen.“ Der Ton war ruhig, und gerade dadurch wurde er unerträglich.
Emils Herz schlug gegen die Rippen, so deutlich, dass er dachte, der Traum habe sein Herz in die Hände genommen und schlage nun für ihn. „Wie wissen Sie das?“
„Weil Sie es träumen, bevor Sie es denken.“ Der Mann drehte sich, als würde er nicht bleiben wollen, und verschwand in der Menge, die plötzlich dichter wurde, als hätte jemand den Raum zusammengedrückt.
Emil stand da, mit Ticket und Brief und dem grauen Skript in der Tasche, ohne zu wissen, ob er gerade einen Menschen gesehen hatte oder eine Erfindung aus Geräuschen. Er suchte die Innentasche nach dem Skript abermals ab, und die Finger fanden es. Beim Herausziehen schimmerte das Papier im Licht der Halle, und es war, als wäre es frisch gedruckt, als hätte es die Nacht nicht überlebt, sondern gerade erst begonnen.
Auf einer Seite waren Notizen, die nicht wie medizinische Sprache wirkten. Es waren Sätze, die man kaum lesen konnte, ohne dass die Augen sich weigerten. Und doch - Emil verstand sie. Nicht im Sinn von Bedeutung, sondern wie man ein Instrument versteht, das man nie gelernt hat. Seine Gedanken rutschten in den Rhythmus, den das Skript vorgab. Seine Atemzüge wurden länger, langsamer. Der Lärm um ihn herum wurde gedämpft, als hätte jemand Watte in die Decke gestopft.
„Hören Sie!“ Ein Schaffner trat näher und sprach Emil an, doch Emil hörte nur die Tonhöhe, nicht die Worte. Er sah den Schaffner an, nickte, ohne zu wissen warum. Der Mann - oder das Geräusch - führte Emil Richtung Gleis. Emil folgte, weil sein Körper folgte. Er war nicht bereit, sich zu wehren. Nicht, weil er mutlos war, sondern weil er zu gut wusste, wie stark Träume sein können, wenn sie sich als Befehle tarnen.
*
Im Zug wirkte alles zu ordentlich, zu sauber. Die Polster waren abgenutzt, aber das Abgenutzte hatte Muster, die Emil beruhigten. Er setzte sich, legte die Einladung neben das Ticket und das Skript auf den Schoß, als müsse er Gegenstände ordnen, damit die Wirklichkeit nicht davonläuft. Draußen flackerte der Bahnhof vorüber, und die Fenster spiegelten sein Gesicht so schief, dass er kurz glaubte, es sei ein anderer. Er hielt das Skript auf, und während der Wagen ruckte, begann sein Blick die Zeilen zu „lesen“, ohne dass er es wollte.
Er hörte wieder diese Stimme in einer Tonhöhe, und diesmal war sie nicht fremd. Sie war wie eine Erinnerung an Siegmund Freund - oder wie ein Name, der in seinen Gedanken an einer Stelle lag, die nur er kannte. Emil konnte nicht sagen, ob Freund tatsächlich in seinem Kopf wohnte oder ob der Traum ihn dazu brachte, den Meisterpsychiater mit einem vertrauten Klang zu verknüpfen. Er flüsterte unbewusst „Freund“, und das Wort fiel in den Wagon wie ein Stein in Wasser. Niemand reagierte.
Als der Zug sich in Bewegung setzte, nahm Emil die Adresse vom Ticket erneut zur Hand. Die eingeritzten Zeilen schienen jetzt tiefer zu liegen, als wäre das Papier nicht nur bedruckt, sondern geschnitten worden. Er betrachtete die Adresse genau, und sein Blick begann zu wandern, bis er - im zweiten Blick - nicht mehr wusste, ob er das Gebäude wirklich gesehen hatte. Es war ein Adresszettel, sagte er sich, und doch war da ein Gefühl, als hätte das Haus bereits auf ihn gewartet.
Er faltete den Zettel auseinander und spürte einen Kälteschauer an der Fingerspitze. Die Konturen des beschriebenen Gebäudes wurden im Kopf schärfer, und dann wieder verschwommener. Der Traum schob sich ein, wie ein zweiter Fahrplan, und plötzlich war nicht mehr klar, ob er im Zug saß oder ob er in der Bahnhofsvorhalle saß. Emil hörte wieder das Rufen des Schaffners, aber es kam nun von innen. Er hörte seine eigene Stimme sagen: „Paris ist die Tür.“
„Du wirst sie heiraten“, sagte eine Stimme, die nicht aus dem Wagon kam. Emil drehte den Kopf ruckartig. Neben ihm saß niemand. Der Platz war leer, und doch fühlte Emil eine Anwesenheit, die sich nicht an Körper hielt, sondern an Erwartung.
Er presste die Einladung an die Brust, bis es weh tat. Der Schmerz sollte ihn zurückholen. Doch der Traum nahm den Schmerz als Material. Er verwandelte ihn in eine Art Bestätigung: Emil war unterwegs, also musste das Unterwegssein echt sein. Nur - warum dann diese zweite Wirklichkeit, die sich so schamlos in seinen Tag drängte? Warum konnte er nicht unterscheiden, ob die Personen im Raum existierten oder ob sie sich nur in seinen Wahrnehmungen bildeten?
Emil starrte aus dem Fenster. Draußen zog Landschaft vorbei, aber die Silhouetten veränderten sich, als hätte jemand die Welt umgerissen und neu gezeichnet. Er sah einen Bahnhof, der nicht Wien war, und er wusste, dass es einer war - nur wusste er nicht, ob er ihn jemals betreten würde. Auf einmal war da eine Tür, die er im Traum schon gekannt hatte, und direkt daneben ein Gebäude, das in seinem Kopf stand und beim zweiten Blick verschwand.
Er griff nach dem Skript, um sich daran festzuhalten. Die Seiten raschelten. In der Ecke stand ein Wort, das er nicht benennen konnte, ohne es zu verlieren. Emil verstand es dennoch. Es war, als wäre es nicht für seinen Verstand geschrieben, sondern für seine Bereitschaft, sich verschieben zu lassen.
Der Zug schüttelte ihn, und Emil spürte, wie der Ruf nach Frankreich in seinem Körper nicht mehr nur ein Gedanke war, sondern ein Zug, der ihn bereits abfuhr, bevor er es entschieden hatte. Er sah die Adresse an und murmelte leise, als könne er sich an etwas Reales klammern: „Meisterpsychiater… Universität…“ Die Worte waren wie Kiesel; sie rutschten durch seinen Mund, ohne Halt zu finden.
Als der Wagen sich erneut ruckartig veränderte, fühlte Emil plötzlich etwas in der Hand - nicht das Ticket, nicht das Skript. Er blickte hinab und sah einen Adresszettel, den er zuvor nicht in der Tasche gehabt hatte. Er war dünn, fast wie Papier, das man aus Versehen in ein Buch steckt. Auf ihm stand dieselbe Adresse, aber die Schrift wirkte frischer, als wäre sie gerade erst geschrieben worden.
Emil hielt den Zettel gegen das Licht. Im ersten Moment war das Gebäude klar: ein Haus an einer Straße, die er nie gelernt hatte. Im zweiten Moment war es weg - nicht als Verfremdung, sondern als hätte es nie existiert. An seiner Stelle war nur eine leere Fläche, die dennoch ein Gefühl von Anwesenheit trug, als wartete etwas dort, das man nur im falschen Blickwinkel sehen konnte.
Emil schloss die Augen. Er hörte sein eigenes Atmen und den Lärm des Wagens, und dazwischen lag die Tonhöhe der Stimme, die ihn zu Paris rief. Er dachte an Wien, an die Freundin, an das Versprechen, das er noch nicht gebrochen hatte. Er dachte an Siegmund Freund und spürte, wie sich der Name zu einer Brücke formte, über die er laufen wollte, ohne zu wissen, ob die Brücke echt war.
Als er die Augen wieder öffnete, war das Licht im Wagon anders, als hätte jemand den Tag umgestellt. Emil konnte nicht sagen, ob die Landschaft draußen bereits Frankreich versprach oder ob sein Traum Wien in eine andere Richtung umschrieb. Er legte Ticket, Brief und Skript nebeneinander, glättete das Papier mit flacher Hand - und bemerkte, dass auf der Einladung eine neue Zeile erschienen war, ganz am Rand, dort, wo vorher nur Papier gewesen war.
Er las sie, und die Worte machten ihm nicht Angst, sondern trieben ihn an, als wäre Angst nur ein anderer Name für Unausweichlichkeit. Die Zeile lautete: „Kommen Sie, bevor Sie sich entscheiden, was wahr ist.“
Emil starrte auf die Zeile, bis die Buchstaben sich wie Wasser bewegten. Dann faltete er die Einladung, steckte alles wieder ein und stand auf, noch bevor der Zug ganz zum nächsten Halt kam. Sein Körper wusste den Weg - oder der Traum tat es. Er trat durch den Gang, hörte Stimmen, die sich wie eine fremde Sprache aneinanderfügten, und während er sich an einer Stange festhielt, spürte er, dass sein Ziel nicht nur Paris war.
Sein Ziel war die Stelle zwischen Realität und Erfindung, wo man entweder zurückweicht oder hineingeht, ohne zu merken, dass man schon drin ist. Und als er schließlich die Tür zum nächsten Bereich erreichte - und der Wagen sich hinter ihm anders anfühlte - kam ihm der Gedanke, so klar wie ein Befehl: Wenn das Gebäude beim zweiten Blick verschwindet, dann muss der erste Blick längst ein Teil von ihm gewesen sein.
End of chapter one. 39 more chapters in the full book.
Swipe or use the arrows to turn the page
What's inside: 40 chapters
- 1. Der Wiener Ruf nach Frankreich
- 2. Hypnose-Skript im Mantelfutter
- 3. Die falsche Adresse in Paris
- 4. Der erste Blick auf den Meister
- 5. Freuds Brief, der nie ankam
- 6. Der Hypnoseversuch mit falschem Probanden
- 7. Die Notiz: „Er ist schon da“
- 8. Korridorwechsel hinter verschlossenen Türen
- 9. Liebe im Schatten des Lehrstuhls
- 10. Die Hochzeitseinladung in Wien
- 11. Der Bibliothekar mit fremder Stimme
- 12. Das Manuskript verschwindet beim Blinzeln
- 13. Die Uhrzeit führt in den Regen
- 14. Der Meister spricht ohne Emil
- 15. Emils Zettel an die Freundin
- 16. Der Name der Freundin wird gelöscht
- 17. Lucien Armand zeigt ein Foto
- 18. Hypnose auf dem Hörsaalpodest
- 19. Der Traumprotokoll-Fehler im Tagebuch
- 20. Halbmond über dem Universitätsgarten
- 21. Der Meister fordert Emil zum Abschied
- 22. Die Rückreise scheitert an der falschen Bahn
- 23. Lucien Armand verschweigt den Aktenfund
- 24. Der Wiener Briefkopf im fremden Hotel
- 25. Die Tür öffnet sich in sein Klassenzimmer
- 26. Das Gespräch mit dem unsichtbaren Assistenten
- 27. Mondlichtschrift verrät die nächste Sitzung
- 28. Der Meisterpsychiater unterschreibt Emil um
- 29. Emils Name klingt plötzlich fremd
- 30. Der Wiener Ring im falschen Spiegel
- 31. Die letzte Frage: Wer hypnotisiert wen?
- 32. Der Universitätsgarten wird zum Bühneplan
- 33. Emils Geständnis an den Schatten
- 34. Die Freundin existiert nur als Tonband
- 35. Die Sitzung bricht in Lachen aus
- 36. Emil wird zum Protokoll selbst
- 37. Die Tür zur Universität schließt sich
- 38. Der Meister küsst die Uhr rückwärts
- 39. Der Hochzeitstermin wird zur Gerichtsverhandlung
- 40. Letzter Traum: Emil unterschreibt sich frei
About this book
"der mann im skript" is a fiction book by Marika Böwe with 40 chapters and approximately 99,051 words. Ein Brief nach Paris, ein Hypnose-Skript im Mantelfutter, und plötzlich reagiert Emil, als hätte jemand anders die Regie übernommen. In den 1920ern führt ihn die Suche nach dem Meisterpsychiater durch Liebe, Psychose und eine Realität, die sich nicht festnageln lässt.
This book was created using Inkfluence AI, an AI-powered book generation platform that helps authors write, design, and publish complete books. It was made with the AI Novel Writer.
Frequently Asked Questions
What is "der mann im skript" about?
Ein Brief nach Paris, ein Hypnose-Skript im Mantelfutter, und plötzlich reagiert Emil, als hätte jemand anders die Regie übernommen. In den 1920ern führt ihn die Suche nach dem Meisterpsychiater durch Liebe, Psychose und eine Realität, die sich nicht festnageln lässt. Traum und Wirklichkeit greifen ineinander. Und du willst wissen, wie weit das geht.
How many chapters are in "der mann im skript"?
The book contains 40 chapters and approximately 99,051 words. Topics covered include Der Wiener Ruf nach Frankreich, Hypnose-Skript im Mantelfutter, Die falsche Adresse in Paris, Der erste Blick auf den Meister, and more.
Who wrote "der mann im skript"?
This book was written by Marika Böwe and created using Inkfluence AI, an AI book generation platform that helps authors write, design, and publish books.
How can I create a similar fiction book?
You can create your own fiction book using Inkfluence AI. Describe your idea, choose your style, and the AI writes the full book for you. It's free to start.
Write your own fiction book with AI
Describe your idea and Inkfluence writes the whole thing. Free to start.
Start writingCreated with Inkfluence AI